Der Naturstoff Indigo

Auf der documenta 2017 in Kassel ist mir ein Kunstwerk des Westafrikaners Aboubakar Fofana zum uralten Farbstoff Indigo aufgefallen. Er hat sich der Wiederbelebung der traditionellen Anbau- und Färbemethoden mit Indigopflanzen und Lebendbakterien im Färbebad verschrieben. Mit dem nachhaltig erzeugten Farbstoff wurden Textilbahnen und westafrikanische Gewänder eingefärbt, handgenäht und schließlich ausgestellt. Besonders beeindruckt hat mich, dass es 12 (!) verschiedene Grundfarbtöne von Indigo gibt und deren poetische Namen.
In den Herbst/Winterkollektionen der Designer ist im Zusammenhang mit dem Trendthema Opulenz wieder viel tiefblaues Indigo zu sehen.

Die Geschichte von Indigo:

Der tiefblaue Farbstoff Indigo ist historischen Ursprungs und wurde von verschiedenen Kulturen aller Kontinente verwendet.
Vom 17. - 19. Jhdt. war Indigo ein Symbol für Status und Gesundheit und in ganz Europa stark begehrt. Ab den 1740er Jahren wurde besonders South Carolina zu einem Hauptlieferanten. Bis in die 1760er Jahre wurde Indigo nach Reis zum Produkt mit der zweitstärksten Rentabilität. Mit der hohen Nachfrage nach Indigo stieg auch die Einfuhr von afrikanischen Slaven und -innen nach Amerika weiter an und die wachsende Gier führte zu einem weiteren Abzug von Land von den Ureinwohnern. Bei den Indigo-Unruhen von 1859 in Bengalen handelte es sich um einen Aufstand gegen jahrzehntelangen Monokulturanbau, der den örtlichen Bauern durch die britische Kolonialherrschaft vorgeschrieben wurde. Danach beschleunigten Chemiekonzerne die synthetische Herstellung von Indigo. Dies schaffte neue Monopole und ließ natürliche Methoden und jahrhundertealte Traditionen schrumpfen.
(Text: documenta)

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