Genetisch erzeugte Seide

Seide ist ein edles, glänzendes Naturmaterial, das leicht und weich ist und gleichzeitig wärmt und kühlt. Sie wird seit 5000 Jahren erzeugt und hat ihren Ursprung im alten China. Als eins der hochwertigsten existierenden Gewebe hat Seide in der Textilherstellung einen besonderen Stellenwert.

Nebeneffekte der traditionellen Seidenherstellung

"Seide ist ein tierischer Faserstoff. Sie wird aus den Kokons der Seidenraupe, der Larve des Seidenspinners, gewonnen. Seide ist die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser und besteht hauptsächlich aus Protein." (Quelle: Wikipedia)
Seidenraupen ernähren sich von den Blättern des Maulbeerbaums und werden auf Maulbeerbaum-Plantagen, zumeist in China, gezüchtet. Um das Wachstum der Blätter zu fördern, wird oft mit Pestiziden nachgeholfen. Tierschützern ist es zudem ein Dorn im Auge, dass die verpuppte Seidenraupe, die sich nun in einem Stadium zwischen Raupe und Falter befindet, in kochendem Wasser abgetötet wird. Dies geschieht, um den Leim zu lösen, mit dem die Raupe den Seidenfaden zum Kokon verklebt hat. Für die Herstellung eines Seidenkleides seien laut Peta 50.000 Seidenraupen vonnöten. Der gewebte Seidenstoff wird vor der Verarbeitung häufig nachgerüstet, um weniger knitteranfällig, schmutzabweisend und farbecht zu sein. Auch hier kommen Chemikalien zum Einsatz.

Genetisch erzeugte Seide

Um die einzigartigen Eigenschaften der Seide zu erhalten, aber die unerwünschten Nebeneffekte zu umgehen, beschäftigen sich derzeit mehrere Unternehmen mit der Möglichkeit einer alternativen Seidenerzeugung.

Der Firma Amsilk aus München ist es gelungen, eine naturidentische, genetisch produzierte Seide auf den Markt zu bringen. Das benutzte Verfahren beruht auf der Manipulation von Kolibakterien, die dann in großen Stahltanks den Eiweißstoff produzieren. Daraus entsteht ein Pulver, das in verschiedenen Bereichen flexibel einsetzbar sein soll: hauptsächlich in der Textil- und Kosmetikherstellung, aber auch in Medizin und Technik. Die synthetische Seide trägt den geschützten Namen Biosteel und orientiert sich an den Seidenfäden der Spinne. Wie diese weist sie eine extreme Festigkeit bei gleichzeitiger Elastizität auf (3x so reißfest wie z.B. Nylon). Außerdem ist sie hypoallergen, nachhaltig herstell- und zu 100 % biologisch abbaubar. In der Verwendung ist sie angenehm weich und glänzt seidig.
Als erster Abnehmer macht sich das Unternehmen Adidas diese Eigenschaften zunutze und bringt einen Sneaker aus Biosteel heraus (Futurecraft Biofabric).

Auch der amerikanische Outdoor-Ausrüster The North Face hat sich in der Herstellung synthetischer Seide hervor getan: in einer Kooperation mit der Biotechfirma Spinber hat das Unternehmen einen Parka aus dem Material lanciert. Mit Bold Threads hat sich ein weiteres US-Unternehmen dem Thema gewidmet - hier soll der neue Stoff in den Bereichen Outdoor und Campingausrüstung eingesetzt werden.

Die Euphorie darf allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Produktion von naturidentischer Seide bis jetzt noch sehr aufwendig und teuer ist.

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